Sampler Toile de Jouy in Kreuzstich 2/2

Sampler Toile de Jouy in Kreuzstich 2/2

- Kategorie : Museen & Kulturgut

Toile de Jouy in Kreuzstich - Zweiter Teil

Fortsetzung der Erläuterungen zum Sampler Toile de Jouy in unserer Kollektion Museen und Kulturgut.
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Was versteht man unter Toile de Jouy?

In der Veröffentlichung « Wenn Braquenié auf Oberkampf trifft», erläutert Anne de Toisy, die ehemalige Kuratorin des Toile-de-Jouy-Museums, den Ausdruck Toile de Jouy wie folgt: „Die Bezeichnung Toile de Jouy hat sich zwar bis heute erhalten, allerdings hat sie mit der Zeit eine erweiterte Bedeutung bekommen. Den geographischen Ursprungs des Namens wurde mit einer neuen Definition überlagert: Toile de Jouy Stoffe – bukolische oder mythologische Figurendarstellungen, farbprächtige Indiennes mit Blumen oder Obstmustern – sind nicht mehr Stoffe, die ausschließlich in der Manufaktur von Jouy-en-Josas hergestellt werden. Heutzutage versteht man darunter Stoffe, die nach einem bestimmten Druckstil hergestellt werden. Sogenannte Toiles de Jouy können also aus verschiedenen Manufakturen kommen, aus Nantes, Elsass, Aquitanien, England oder von woanders….“. Diese Veröffentlichung erschien 1999 anlässlich einer Ausstellung, die sich mit dem Einfluss der Oberkampf-Manufaktur auf die Toiles-de-Jouy der heute zur Pierre Frey Gruppe gehörigen Firma Braquenié beschäftigte.

Toiles de Jouy mit Figurendarstellungen

Toile de Jouy ist also zu Sammelbegriff für Einrichtungsstoffe mit einfarbigen figuralen Motiven geworden. Im ursprünglichen Sinne als "in Jouy hergestellten Stoff" verstanden, steht der Begriff Toile de Jouy für ein unerschöpfliches Motivreichtum. Die Zahl der floralen oder geometrischen in Jouy entstandenen Motive wird auf mehr als 30 000 geschätzt, während die Stoffkollektion mit Figurendarstellungen ca. 200 Motive umfasst.
Stoff mit Figuren: Fertigungsverfahren in der Manufaktur
Die Travaux de la Manufacture (Fertigungsverfahren in der Manufaktur) ist ein in der Oberkampf-Manufaktur bedruckter Stoff mit figuralen Darstellungen, auf welchem die verschiedenen Druckherstellungsschritte in einem studierten Durcheinander dargestellt sind.
Die mangelnde Kenntnis bezüglich der Vielfalt der in Jouy hergestellten Stoffe lässt sich teilweise dadurch erklären, dass kleine Motive eher Bekleidungsstoffen vorbehalten und damit der unerbittlichen zeitlichen Abnutzung ausgeliefert waren. Inneneinrichtungsstoffe hingegen hatten dank geringerem Verschleiß eine längere Lebensdauer. Jouy war nicht die einzige Manufaktur, die Stoffe mit Figurendarstellungen produzierte. In Nantes, Angers, im Elsass, in der Normandie und der Provence, sowie in Großbritannien und Italien wurden solche Motive ebenfalls bedruckt. Die berühmtesten kamen allerdings aus der Oberkampf-Manufaktur in Jouy.

Weitere Stoffe aus der Oberkampf-Manufaktur in Jouy

Bekleidungsstoffe namens Mignonnettes

Zu der Massenproduktion aus der Oberkampf-Manufaktur gehörten Stoffe mit Miniaturmotiven in unzähligen Variationen namens Mignonnettes. Es waren Bekleidungsstoffe mit geometrischen Mustern, einfachen Blümchen, die von Jahr zu Jahr oft in einer anderen Farbe hergestellt wurden. Unter den Mignonnettes selbst gibt es verschiedene Stilrichtungen, wie z. B. mille-raies - Streifen in unterschiedlichen Breiten, die auch als Karostoff dekliniert werden konnten - und auch Stoffe mit wurmförmigem Hintergrund, mit schlängelnden Rillen verziert.  
In Jouy bedruckte Mignonnettes Stoffe
Ein Bestellbrief an die Jouy-Manufaktur
Eine weitere Spezialität der Jouy-Manufaktur waren Dekostoffe mit Mustern, die das Strohflechten reproduzierten. Daraus machte man Kissenhüllen, Sofas, u. a. für die Einrichtung von damals besonders beliebten Wintergärten. Anfangs wurden die Flechtmuster in Stroh ähnlichen Farben bedruckt und dann in zahlreichen weiteren Farbtönen angeboten.
Bei getupften Stoffen - picotés oder auch sablés genannt (mit Sandkörnern bestreut) - sind unzählige kleine Punkte auf dem Hintergrund wahllos verteilt. Oft ist der Hintergrund von Dekostoffen mit Blumenmustern auch getupft. 

Stoffe mit Blumenmustern namens Bonnes Herbes

Ein dauerhafter Erfolg wurde den in den 90er Jahren des 18. Jahrhunderts produzierten Stoffen namens Bonnes Herbes - z. Dt. Gute Kräuter -  zuteil. Die botanischen oder stilisierten Blumenmotive wurden auf dunklem Hintergrund mittels Holzplatten bedruckt. Aufgrund des dunklen Farbtons - Schwarz, Braun oder Bronze - sprach man von Schornsteinfeger-Hintergrund. Motive mit Blumen und buschigem Laub wurden nicht, wie häufig angenommen, ausschließlich in der Provence produziert. Im Manufaktur-Archiv finden sich Belege für zahlreiche Lieferungen solcher Stoffe in den Süden, u. a. nach Beaucaire, damaligem bedeutendem Handelsplatz in der Provence.
In Jouy bedruckter Stoff namens Bonnes Herbes
Stoff Bonnes Herbes aus der Jouy Manufaktur

Indiennes Stoffe aus der Manufaktur Oberkampf

Im 18. Jahrhundert bezeichnet man mit Indiennes ausschließlich bedruckte Baumwollstoffe. Mit Indiennage ist der Druckvorgang und mit Indienneurs die Hersteller solcher Stoffe gemeint. Ob unmittelbar durch Motiven aus Indien inspiriert oder von Zeichnern der Oberkampf-Manufaktur entworfen: Indiennes konnten monochrom oder mehrfarbig bedruckt werden. Sie waren eine der wichtigsten Spezialitäten aus Jouy und Hunderte von Mustern werden im Museumsarchiv heute noch aufbewahrt. Blumenmotive oder exotische Pflanzen nannte man perses (persisch). Der Rousseauismus vom 18. Jahrhundert beeinflusste maßgeblich die Produktion mit naturgetreuen Motiven. Flieder, Eichenblätter, Feldblumen, Ilex, Weizenähren, Trauben, Nelken bestreuten sowohl Textilien für Dekoration als auch Bekleidungsstoffe. Letztere nannte man pour la robe - für das Kleid - . Die bevorzugten Motive waren Rosen in jedem erdenklichen Zustand: als Knospen, aufgeblüht, mit mehr oder weniger dichtem Blattwerk. Parallel zu diesem Naturalismus gab es auch zahlreiche stilisierte Blumenmotive, zu denen sich manchmal Vögel, Feder (in Girlanden oder kunstvollen Kurven angelegt), Arabesken von kleinen Ästen auf unifarbenem oder getupftem Hintergrund gesellten.
Der Einfallsreichtum der Manufaktur-Zeichner war grenzenlos: Es ging darum, der Mode zu folgen und Neuheiten anzubieten.
In Jouy bedruckter Indienne-Stoff
Weitere Indienne aus Jouy auf gelbem Hintergrund
Sind Sie neugierig geworden? Lesen Sie mehr über die Geschichte der Indiennes bevor sie in Frankreich produziert wurden.
Erfahren Sie Einzelheiten über ihre handwerkliche Produktion in Indien, bevor euiropäische Manufakturen die Produktion aufnahmen.
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