Sampler für Kreuzstich Napoleon und Josephine 1/2

Sampler für Kreuzstich Napoleon und Josephine 1/2

- Kategorie : Museen & Kulturgut

Die Entstehung des Samplers

Das Militärmuseum im Invalidendom, in welchem sich Napoleons Grabmal befindet, hat mich immer fasziniert. Es liegt im Herzen von Paris und ich besuche es oft. Bei meinen Recherchen für die Sampler Versailles und Marie-Antoinette entdeckte ich, dass die Kaiserin Josephine sehr viel zur Marie-Antoinettes Rehabilitation beitrug, indem sie persönliche Gegenstände der verstorbenen Königin sammelte und sich von ihr inspirieren ließ. Dies erweckte meine Neugier und führte mich nach Malmaison, Josephines Wohnsitz. Bei strahlendem Wetter zeigten die Rosen ihre volle Blütenpracht. Die Architektur, die herrliche Stimmung auf dem Land, eine halbe Stunde von Paris entfernt: im Nu war es um mich geschehen, Malmaison zog mich in seinen Bann. Josephine war eine Sammlerin im Sinne Kuriositätenkabinette des 18. Jahrhunderts, mit viel Geschmack und Raffinement. Ein Besuch in Fontainebleau überzeugte mich schließlich. Napoleon ließ das Schloss neu möblieren und die Gärten neu anlegen. In dem ihm gewidmeten Museum sind - u. a. - eine Rekonstruktion des kaiserlichen Feldzugszelts, sein berühmter Zweispitz und außergewöhnliche Stoffe zu sehen. Diese Elemente finden sich in unserem Sampler wieder. Auch wenn die Geschichte mit Napoleons und Josephines Trennung endete, haben beide einen Stil, eine Epoche und auch einen Lebensstil neu gegründet.
Die Stickvorlage Napoleon und Josephine Kollektion Museen und Kulturgut
Mit ihrer etwas männlichen aber zugleich zarten Farbnuance, die einzelne Elemente der Stickarbeit sehr gut zur Geltung bringt, erschien mir die Leinenfarbe Baumrinde die richtige Wahl für diesen Sampler. Die Stickvorlage zählt 345 Stiche in der Breite und 346 Stiche in der Höhe. Dies entspricht einer fertigen Stickarbeit von 57,5 x 57,8 cm auf 12-fädigem Leinen gestickt. Um genügend Stoffzugabe für die Montage zu haben, empfehlen wir einen 70 x 70 cm großen Leinenzuschnitt. Wie alle anderen Mustertücher der Kollektion Museen und Kulturgut beleuchtet dieser Sampler auch die textilen Aspekte des behandelten Themas. Was haben dann Rosen hier zu suchen? Außer der Tatsache, dass Pierre-Joseph Redouté für Josephine gearbeitet hat und ungeachtet meiner persönlichen Bewunderung für ihn, werden Sie noch feststellen, dass zwischen den prachtvollen Blumen und der Textilkunst tatsächlich ein Zusammenhang besteht.

Der Sampler-Titel

Der Titel Napoléon & Joséphine in Kreuzstich gestickt aus der Kollektion Museen und Kulturgut
Eine sehr einfache Typografie im Empire-Stil, wie sie auf den meisten Büchern über Napoleon und Josephine zu sehen ist.

Des Kaisers Hut

Napoleons Hut in Kreuzstich Kollektion Museen und Kulturgut
Untrennbar mit Napoleons Gestalt verbunden ist sein Zweispitz, auch „le petit chapeau“ - z. Dt. den kleinen Hut – genannt. Die Kopfbedeckung aus schwarzem Biberfilz ist von einfacher Form und trägt keinerlei Dekoration oder Feder, einzig eine mit einem Seidenbändchen gehaltene Kokarde. So unterscheidet sie sich von den Kopfbedeckungen seiner Generäle und Marschälle. Alle Hüte Napoleons wurden exklusiv von dem Pariser Hutmacher Poupard angefertigt. Der älteste ist im Militärmuseum in Paris aufbewahrt.

Ziviluniformen

Der kaiserliche Hofstaat folgte genauen Vorschriften. Die Ziviluniformen der hohen Würdenträger waren mit Gold bestickt. Die hohen Offiziere, die in der Position tiefer standen, trugen silberbestickte Uniformen. Bei ihnen wurde zu Eiche und Lorbeer das Motiv der Palme - wahrscheinlich als Erinnerung an den Ägyptenfeldzug - hinzugefügt. Die meisten Stickmotive wurden in dem Atelier von Augustin-François Picot nach Zeichnungen von Jean-Baptiste Isabey gefertigt. Die Farbe der Uniform aus Samt bestimmte die Funktion: Scharlachrot für den Kammerherrn, Blau für den Oberzeremonienmeister, Grün für den Oberjägermeister. Dies ist durch die farbigen Rechtecke unter dem Stickmotiv dargestellt..
Ziviluniformen im kaiserlichen Hofstaat in Kreuzstich Kollektion Museen und Kulturgut

Kaiseradler und Ehrenlegion

Der Adler, Symbol des Kaiserreichs und die Ehrenlegion
Als Sinnbild Jupiters wurde der Adler seit der Antike mit militärischen Siegen assoziiert. Unmittelbar nach der Kaiserkrönung am 2. Dezember 1804 ließ Napoleon einen kaiserlichen Adler an der Spitze der Truppenfahnen anbringen. Ein berühmtes Ölgemälde von Jacques-Louis David, La distribution des Aigles, - z. Dt. Der Eid der Armee nach der Verleihung der Adler – erinnert daran. Hier eine Interpretation des kaiserlichen Adlers in einem Lorbeerkranz. Die am 19. Mai 1802 ins Leben berufene Ehrenlegion wurde am 15. Juli 1804 zum ersten Mal verliehen. Ab dem 18. April 1806 wurde dem Orden der kaiserliche Adler hinzugefügt. Bei unserer sehr stilisierten Darstellung des Ordens geht es um die Ehrenlegion zweiten Typs aus dem ersten Kaiserreich.

Teppich und Stoffe des Kaisers

Der Teppich und beide Stoffe sollen auf ein Stück Leinen gestickt werden, dass anschließend auf das Hintergrund-Leinen in der Farbe Baumrinde angebracht wird. Der Teppich mit Leopardenmuster aus dem Feldzugszelt wird auf Ecru/Wollweiß gestickt, das Indienne-Motiv auf Hellgrau und den Stoff aus dem kleinen Kaiserzimmer in Fontainebleau ebenfalls auf Ecru.

Teppich und Indienne aus Napoleons Feldzugszelt

Das Zelt aus Napoleons Feldzügen wurde nach einem im Mobilier National - z. Dt. Nationale Möbel Kollektion - aufbewahrten Modell im Schloss Fontainebleau rekonstruiert. Der Teppich und der Indienne-Stoff aus dieser Rekonstruktion haben die hier dargestellten Stickmuster inspiriert.
In der Regel war der Außenstoff aus blau-weiß gestreiftem Drell mit roter Wolle eingefasst. Innen wurde ein Indienne-Stoff - möglicherweise aus der Oberkampf-Manufaktur in Jouy-en-Josas - aufgespannt. Auf dem Boden lag ein Teppich mit Leopardenmuster, der an die Schabracken - Sattelteppiche - der Offiziere, insbesondere der Husaren erinnerte. Im hinteren Teil des Zelts befand sich ein Schlafzimmer mit einem Eisenbett, dessen Untergestell aus gespannten Gurten bestand. Im vorderen Teil war das Arbeitszimmer mit einem Schreibtisch und Sitzen - alle klappbar - ausgestattet. Im rekonstruierten Zelt ist auch einer von Napoleons Gehröcken aus grauem Tuch zu sehen.
Stoffe aus Napoleons Feldzugszelt

Stoff aus Napoleons Schlafgemach im Schloss Fontainebleau

Stoff aus Napoleons Schlafgemach im Schloss Fontainebleau
Der herrliche Dekorationsstoff im Kaiserzimmer des Schlosses Fontainebleau wurde ursprünglich für den Botschaftersaal im Schloss von Saint-Cloud, das 1870 im deutsch-französischen Krieg zerstört wurde, in Auftrag gegeben. Mit prunkvollen Aufträgen für Saint-Cloud, Meudon, Fontainebleau, die Tuilerien und natürlich Versailles haben Napoleon und Josephine sehr viel getan, um die Textilindustrie in Lyon zu unterstützen. Von Jean-François Bony entworfen und Camille Pernon gefertigt zeigt der Stoff aus Samt Blumenzweigen und Lorbeerblätter auf einem melierten pflaumenfarbenen Hintergrund. Nach Saint-Cloud kam er nie und fand schließlich 1808 im Kaiserzimmer des Schlosses Fontainebleau seine Bestimmung. Man fand ihn zu dunkel und betraute die Firma Picot mit der Aufgabe, den Hintergrund mit einer Stickerei aus zartgelber Seiden-Chenille aufzuhellen, die in Wirklichkeit Ecru erscheint. Um das prächtige Blumenmotiv zur Geltung zu bringen, wurde für die Stickarbeit ein Hintergrund in Ecru gewählt, damit Blüten und Geäst klar hervortreten.

Bordürenstoff und Bienen-Symbolik

Bordüre des Samplers Napoleon und Josephine Kollektion Museen und Kulturgut
Die Sampler-Bordüre ist einem Damast nachempfunden, der mehrfach in unterschiedlichen Ausführungen gewebt und als „Zeichnung aus mehreren Fächern mit Olivenzweigen und Bienen“ beschrieben wurde. Wir haben für den Sampler die Variante aus rotem, mit Goldfaden besticktem Samt ausgesucht. Dieser 1809 von der Manufaktur Grand Frères in Lyon für das Kaiserzimmer in den Tuilerien gelieferte Damast kam schließlich nach Versailles. Um seine Funktion zu legitimieren und zugleich mit dem alten Regime zu brechen, hatte Napoleon auf das Sinnbild der Biene aus den Attributen Karls des Großen zurückgegriffen. Man kann es auch als Hinweis auf die Antike und den römischen Dichter Virgil interpretieren, der im Bienenstock ein Modell für Gesellschaftsordnung sah. Zumindest ist die Biene eine Anspielung auf Fleiß und Arbeitseifer des französischen Volkes. Man findet sie u. a. auf dem berühmten roten Purpurmantel der Kaiserkrönung, in den kaiserlichen Gerichten und Verwaltungen und auf zahlreichen Wandbehängen.
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