Sampler Geschichte von Maison Sajou - Teil 1

Sampler Geschichte von Maison Sajou - Teil 1

- Kategorie : Museen & Kulturgut

Als ich 2005 mit der Marke Sajou neu startete, standen mir sehr wenige Mittel zu Verfügung. Allerdings verfügte ich über eine beträchtliche Kurzwarensammlung als Inspirationsquelle und war vor allem von unerschütterlichem Vertrauen in den Erfolg der Marke beseelt.

Kaum zu glauben, dass Sajou Ende Mai 2015 schon seinen 10. Geburtstag feierte! Anlässlich dieses Jubiläums beabsichtigte ich an die Wurzeln des Unternehmens sowie an alle seit 2005 neu erschaffenen Produkte zu erinnern, und somit eigentlich an all das, was Sie, liebe Kunden, und ich als Leidenschaft für Sajou teilen.

Diese Stickvorlage über die Sajou-Welt ist das dritte Mustertuch aus der Kollektion Museen und Kulturgut.
Mit dieser Kollektion möchte ich nach und nach die reiche Tradition französischen Textilguts einem breiten Publikum vertraut machen.  

DER ENTWURF

Nach langem Sinnieren über die Farbe des Leinens drängte sich mir das Sajou-Blau auf.

Der Sampler ist beinahe quadratisch: 345 x 342 Stiche. Auf 12-fädigem Leinen über zwei Gewebefäden gestickt, bekommt man ein Mustertuch von 57,5 x 57 cm. Um genügend Stoffüberstand für die Montage zu haben, empfehle ich einen 70 x 70 cm großen Stoffzuschnitt.

Bei den dargestellten Motiven handelt es sich um Elemente, die mir besonders am Herzen liegen, die für die Geschichte und den Erfolg der Firma sehr bedeutend waren. Alle von mir entworfenen Produkte finden ihre Vorbilder in alten Modellen. Allerdings ist keines davon eine Kopie des Alten bzw. eine exakte Reproduktion bereits vorhandener ursprünglicher Modelle. Sajou-Produkte sind Produkte im nostalgischen Stil bzw. im Retro-Look.
Sie sind mit den heutigen modernen Verfahren hergestellt und daher keineswegs antiquarisch. 

 

DIE EINZELNEN MOTIVE

Das Label von Maison Sajou gezeichnet und gestickt

Im Lauf seiner Geschichte veränderte der Name Sajou seine äußere Darstellung. Insbesondere auf den Alben sind unterschiedliche Typographien festzustellen.
Zu Beginn habe ich mich für diese Fassung entschieden. Sie schien mir nicht nur die schönste und lesbarste, sondern auch gleichsam die modernste typographische Darstellung des Firmennamens zu sein und das, obwohl sie aus dem 19. Jahrhundert stammt. Dennoch empfand ich es sinnvoll, für manche Produkte das Sajou-Logo abzuwandeln oder anders zu gestalten.

 

Das Monogramm von Maison Sajou und ein altes grünes Album

 

Als Claude Cabin 1864 die Nachfolge seines Schwagers Jacques-Simon Sajou antrat, erschien auf den Alben ein kunstvoll miteinander verschlungenes  „S“ mit zwei C“. Etwa 20 Jahre später, nach dem Eintritt von Georges Lefèvre in die Firma, wurde das „S“ mit „C“ und „L“ verwoben. Dieser Vorgeschichte konnte ich nicht widerstehen. Man erkennt also heutzutage neben dem „S“ mein Monogramm verschlungen hinzugefügt. 

 

 

 

Ein

 

Nur wenigen ist bekannt, dass  sajou oder sapajou auch der Name eines kleinen schelmischen Affen aus Südamerika ist.
Wenn man bedenkt, dass die Nachnamen der Menschen sich aus bestimmten Eigenschaften herleiten, ließe sich eventuell daraus augenzwinkernd, schelmisch schlussfolgern, die Vorfahren des Herrn Sajou seien kleine, besonders schalkhafte Menschen gewesen. Das Äffchen-Motiv eröffnet jedenfalls Interpretationsspielräume…

  

 

DIE VERSCHIEDENEN KAPITEL IN DER GESCHICHTE VON MAISON SAJOU

Maison Sajou von 1842 bis 1845 und ein altes Sajou-Album aus der blauen Miniatur-Serie

Jacques-Simon Sajou stammte aus Sens, einer Stadt im Norden Burgunds (aus dem Departement Yonne).
In Paris hatte er zuerst ein kleines Atelier in der
Île de la Cité.  
Nach einigen Umzügen wurde er in der Rue Michel-le-Comte (3. Arrondissement) von 1842 bis 1845 sesshaft.
Der hier dargestellte Sajou-Label ist eine Interpretation des Firmenlogos
auf den blauen Sajou-Alben, auch Miniatur-Alben genannt.

Maison Sajou von 1845 bis 1848 und ein altes Sajou-Album aus der lila Serie

Nach seinem Aufenthalt im Marais-Viertel kehrte Jacques-Simon Sajou auf die Île de la Cité zurück.
Von 1845 bis 1848 (oder vielleicht nur bis 1847) war der neue Sitz von Maison Sajou
die Nummer 17 in der Rue Barillerie.
 Der hier abgebildete Sajou-Schriftzug erinnert an das Logo der lila Sajou-Alben.

Maison Sajou von 1848 bis 1882 und ein altes Sajou-Album aus der grünen Serie

Nach drei Jahren auf der Île de la Cité zog Jacques-Simon Sajou erneut in das dritte Arrondissement um.
Die Rue Rambuteau war ein paar Jahre zuvor auf Anordnung des gleichnamigen Prefekten
neu gebaut und angelegt worden. Die damalige Nr. 50 wurde später in 52 geändert. 
1848 war Herr Sajou 43 Jahre alt und seit 3 Jahren mit Astasie Granger, der Nichte eines Malers, verheiratet.
1864 zog er sich aus dem Geschäft zurück und überließ die Firma seinem Schwager 
Claude Marie Cabin, dem Ehemann von Astasies Schwester. 
Hier ist der Label Sajou in dem Schriftzug der grünen Alben zu sehen. 

 Maison Sajou von 1882 bis 1934 und Nahansicht eines alten Sajou-Album für Filethäkeln

Nach mehr als dreißig Jahren in der Rue Rambuteau zieht das Geschäft 1882
in die 74 Boulevard Sébastopol um. Damals wurde das Geschäft von Claude Cabins Sohn geleitet,
der ab 1885 von seinem Schwiegersohn Georges Lefèvre unterstützt wurde.
In diesem Pariser Viertel mit hauptsächlich Textil- und Kurzwarenhandel herrschte reges Treiben.
Léon-Paul Fargue (1876-1947) erinnerte sich später an seine Jugend in
Le piéton de Paris so:
„Wir blätterten das Boulevard wie ein Album.
Wir kannten alle Geschäfte, das Waschgeschäft in der
Cour Batave,
die Ausstattung der
Petits Agneaux, die Stickerinnen von Sajou, die Spulen Suzor…“.
Hier erinnert der Schriftzug an das Deckblattlabel der Alben für Weiß- und Filetstickerei.

 

 Maison Sajou von 1934 bis 1534 und ein altes Sajou-Album für Gobelin-Stickerei

Ab 1897 führt Emmanuel Anglard, der Schwiegersohn von Georges Lefèvre,
das Unternehmen und wird 1902 selbst Eigentümer.
Ehemaliger Militär (Tonkin-Kampagne) von energischer Natur nimmt Emmanuel Anglard
an allen großen Ausstellungen der damaligen Zeit teil und gewinnt mehrere Auszeichnungen,
wie z.B. in Milano (1906), Brüssel (1910), London (1912), Gent (1913).
Als die Firma 1934 in die
Rue de la Boétie umzieht, ist er bereits 61 Jahre alt.
Hier ähnelt der Schriftzug Sajou dem Label der beigen Gobelin-Alben.
Diesen Schriftzug habe ich als Logo für die neu kreierte Serie der 
roten Alben ausgesucht.

 

Maison Sajou ab 2008 un ein altes Sajou-Album für Petit-Point-Stickerei

Der Name Sajou war seit 1954 in Vergessenheit geraten.
Im November 2004 meldete ich die Marke an und im Mai 2005 wurde die Internetseite online geschaltet.
Mein damaliges Büro war in unmittelbarer Nähe des Schlosses von Versailles,
mit Blick auf die Reiterstatue von Ludwig dem XIV., und ist der heutige Sitz der Firma.
Ich habe mich nie als Erbin von Sajou betrachtet, deshalb erfand ich
die juristisch irrelevante Zusatzbezeichnung NRP, auf Französisch
nom repris par (z. Dt. Name übernommen von),
die ich als humorvollen Augenzwinkern verstanden wissen möchte.
Unter den zahlreichen Schriftzügen des Logos Sajou entschied ich mich
für die Kalligraphie des Deckblatts der farbigen Gobelin-Alben.
Die zwei Farben Orange und Blau hat der Zufall ausgesucht.
In den Anfängen musste bei den allerersten Verpackungen gespart werden. 
Der Kartonhersteller konnte mit einem alten Lagerbestand ein preisgünstiges Angebot machen.
Die Farben der günstigen Kartonage waren … Orange und Blau.

 

 Das Schaufenster der Sajou-Boutique in Kreuzstich - 47, rue du Caire - 75002 Paris

Um ganz ehrlich zu sein, gehörte die Eröffnung einer Boutique mitten in Paris 
nicht zu meinen dringendsten Plänen.
Es geschah durch eine glückliche Fügung, als einer der letzten Kurzwaren-Großhändler sich entschied,
in den wohlverdienten Ruhestand zu gehen.
Die Rue du Caire ist in doppelter Hinsicht eine besondere Adresse.
Sie ist nicht nur im historischen Textilzentrum von Paris gelegen,
sondern auch ein Katzensprung von dem Boulevard Sébastopol und der Rue Réaumur entfernt,
wo Maison Sajou einst etabliert war.
Es ist wie eine Rückkehr zu den eigenen Wurzeln. 

Zum zweiten Teil dieses Artikels klicken Sie bitte hier.

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