Mustertuch Schloß von Chenonceau - Erster Teil

Publié le : 28.12.2016 17:42:12
Catégories : Museen und Kulturgut Rss feed

Die Stickvorlage des Samplers Schloss von Chenonceau Kollektion Museen und Kulturgut

Ende 2015 wurde ich von Laure Menier, Schlosskonservatorin in Chenonceau, kontaktiert, mit dem Wunsch, Sajou-Produkte in der Museumsboutique anzubieten. Nichts konnte mich mehr freuen! Noch im Dezember desselben Jahres kam es zu einem Treffen im Schloss. Welch ein Erlebnis! Ich hatte noch vage Kindheitserinnerungen an dieses außergewöhnliche, über Wasser gebaute Monument. Erst mit den Augen eines Erwachsenen kann man die Besonderheit des Ortes schätzen. Alles dort ist von äußerster Schönheit und atemberaubendem Raffinement. Wie ein bewohntes Heim ist das Schloss reichlich mit Blumen geschmückt und mit nach Wachs duftendem Mobiliar ausgestattet. Dazu kommt noch eine außergewöhnliche Sammlung an Kunstschätzen. Ein wahrer Zauber, der mich überwältigte!

 

Dieser Sampler erzählt von meinen Eindrücken über das Schloss, das seine Existenz und Geschichte hauptsächlich Frauen zu verdanken hat.

Für jeden Sampler dieser Kollektion wähle ich eine andere Leinenfarbe aus. Für Chenonceau schien mir die Farbe Schiefer besonders gut geeignet. Sie erinnert an die prachtvollen Schieferdächer der Loire-Schlösser.

Die Zusammensetzung einzelner Elemente erwies sich als schwierig. Nicht, dass es an Ideen gemangelt hätte! Ganz im Gegenteil! Den Leitfaden der Kollektion durfte ich allerdings nicht aus den Augen verlieren: Textilien. Außerdem wäre es undenkbar gewesen, die Geschichte der vielen schönen Schlossherrinnen nicht zu erwähnen. Schließlich verdankt das Schloss ihnen seine Existenz und seinen Erhalt durch die Jahrhunderte. Es ist ganz und gar unmöglich, die ganze Geschichte von Chenonceau auf einem so engen Raum zusammenzufassen. Wenn Sie sich allerdings auf dieses Abenteuer einlassen und den Sampler sticken wollen, ist eine Besichtigung an Ort und Stelle ein absolutes Muss!


DER SAMPLERTITEL

Der Samplertitel in Kreuzstich Vorlage Museum und Kulturgut

Chenonceau ist ein Schloss aus dem 15. Jahrhundert.
Für die bildliche Darstellung seines Namens schien mir eine Typographie im Renaissance-Stil am besten geeignet. So
entwarf ich kleine Buchstaben und eine Initiale, wie man sie in der Buchkunst der damaligen Zeit finden könnte.

Die Schloss-Silhouette im Sajou-Sampler Chenonceau Museen und Kulturgut

Chenonceau ist einfach unverkennbar. So unverkennbar, dass auf die Darstellung seiner Silhouette auf dem Sampler keineswegs verzichtet werden konnte. Sie erinnert an die Sammlung von Zeichnungen und Stichen aus unterschiedlichen Epochen, die im Kabinett der Drucke (Cabinet d’Estampes) im ersten Geschoss ausgestellt ist.


DIE HERRINNEN VON CHENONCEAU

Das Wappen der Briçonnet in Kreuzstich - Sajou-Sampler Schloss von Chenonceau


TBK ist das Monogramm von Thomas Bohier und seiner Gemahlin Katherine Briçonnet. Sie sind die ersten Bauherren des Schlosses auf den Fundamenten der ehemaligen befestigten Wassermühle (Château des Marques). Der Spruch « S’il vient à point me souviendra » (sinngemäß „Wenn es mir gelingt Chenonceau aufzubauen, wird man sich an mich erinnern“) zeigt das umfangreiche Ausmaß des Projekts. Dabei spielte Katherine Briçonnet eine entscheidende Rolle. Während ihr Mann an der Seite des Königs in Italien weilte, überwachte sie die Bauarbeiten. Wappen und Spruch der Familie Bohier befinden sich über den Schlosseingang sowie in einigen Räumen.

 

Diane de Poitiers Bildnis in Kreuzstich – Sajou-Sampler Museen und Kulturgut


Als Heinrich II. 1547 den französischen Thron bestieg, schenkte er das Schloss Chenonceau seiner 20 Jahre älteren Geliebte,  Diane de Poitiers (1499-1566). Sie ließ für die damalige Zeit spektakuläre Gärten anlegen. Ihr ist auch der Brückenbau über dem Fluss „Cher“ zu verdanken. Heinrich II. beteiligte sich gerne an ritterlichen Kampfspielen (Turnieren). 1559 wurde er beim Lanzenstechen (Tjost) tödlich getroffen. Nach seinem Tod wurde Diane de Poitiers gezwungen, das Schloss an die Krone, bzw. an Katharina von Medici, zu übergeben. Das Bildnis Dianes auf dem Sampler ist einem Porträt nachempfunden, auf welchem sie mit einem reich bestickten und mit Perlen verzierten Kleid dargestellt ist. Perlen waren ihr Lieblingsschmuck. Diese Perlen werden auf dem Sampler mit Caudry-Garn gestickt. Der Sichelmond ihres Kopfschmucks weist auf ihr Wappen hin.




Katharina von Medici Bildnis in Kreuzstich – Sajou-Sampler Museen und Kulturgut


 

Nach dem Tod Heinrichs II. wurde seine Frau, Katharina von Medici (1519-1589), Regentin des Reiches. Als rechtsmäßige Gemahlin des Königs zwang sie Diane de Poitiers, Chenonceau gegen Schloss Chaumont einzutauschen. Das „Grüne Kabinett“ im „zurückeroberten“ Schloss wurde das Arbeitszimmer der Königin. Von ihm aus und mit Blick auf dem Fluss „Cher“ leitete sie die Regierungsgeschäfte. Katharina von Medici ist der Bau der zweistöckigen Galerie auf der von ihrer Rivalin errichteten Brücke zu verdanken. Gerade diese berühmte Galerie über den Fluss ist es, die dem Schloss Chenonceau seine Einzigartigkeit verleiht. Wie auf den bekanntesten erhaltenen Porträts ist Katharina von Medici hier in Witwentracht dargestellt. Kragen und Ärmelbündchen aus Spitze sind das einzige Zugeständnis an verspielte Eleganz. Gemäß der damaligen Mode trägt sie einen muschelförmigen Schleier mit Spitze über der Stirn.

Louise von Lothringen Bildnis in Kreuzstich – Sajou-Sampler Museen und Kulturgut






Louise de Lorraine (1553-1601) war die Ehefrau Heinrichs III., Sohnes Katharinas von Medici und französischen Königs. Zur damaligen Zeit und bis zur Unterzeichnung des Edikts von Nantes 1589 tobten in Frankreich zahlreiche religiöse Kämpfe (Hugenottenkriege). Nach der Ermordung ihres Gemahls 1589 durch Jacques Clément, einen fanatischen Katholiken, verbrachte Louise von Lothringen den Rest ihres Lebens vollkommen zurückgezogen in Chenonceau. Gemäß der höfischen Sitte trug sie von nun an nur noch weiße Trauerkleidung, was ihr den Beinamen Die weiße Königin einbrachte. Sie ließ das Erdgeschoss des Schlosses mit Schwarz behängen und Trauersymbole in ihr Schlafgemach anbringen. (Mehr dazu erfahren Sie im Teil 2,  Abschnitt  „Die Symbole“). Mit ihrem Ableben endet die königliche Präsenz in Chenonceau. Auf dem Sampler ist Louise von Lothringen nach einer Zeichnung des Hofmalers François Clouet dargestellt. Die Farben habe ich in Anlehnung an ein Bildnis aus dem Czartoryski-Museum in Krakau ausgewählt. Sie trägt ein beeindruckendes Kleid mit einem Kragen aus drei oder vier Reihen aus feinster Spitze und einen mit Perlen reichlich geschmückten Schleier. Die Perlen ihres Schleiers und ihrer Halskette werden mit Caudry-Garn gestickt.


 

Porträt von Louise Dupin in Kreuzstich – Sajou-Sampler Museen und Kulturgut


Obwohl Louise Dupin (1706-1799) nicht königlichen Blutes war, besaß sie alle Anzeichen einer Königin. Anmut, Intelligenz, Aufgeschlossenheit waren ihr angeboren. Dazu gesellte sich eine vorzügliche Eleganz, die in ihrer atemberaubenden Garderobe zum Ausdruck kam. 1733 hatte ihr Ehemann Chenonceau von Ludwig IV., Herzog von Bourbon-Condé, abgekauft. Mit ihr kamen Leben und Fröhlichkeit in Chenonceau zurück. Sie veranstalte philosophische und literarische Salons und empfing u.a. Rousseau, Montesquieu, Buffon und Voltaire. Durch ihre Herzensgüte erwarb sie sich Ansehen und Beliebtheit bei der Bevölkerung. Dieser Tatsache gepaart mit der Unterstützung des Pfarrers der Gemeinde Chenonceau ist zu verdanken, dass das Schloss den Sturm der Revolution unbeschadet überstand. Sie starb in ihrem geliebten Schloss im stolzen Alter von 93 Jahren. Louise Dupin war die Urgroßmutter von Aurore Dupin, besser bekannt unter dem Namen Georges Sand. Auf unserem Sampler ist Louise nach einem Porträt des Malers Nattier dargestellt. Dieses Porträt gehört zu den zahlreichen Kunstschätzen des Schlosses. Nattier ist für seine Blau-Farbtöne berühmt. Auf seinem Bildnis trägt Louise Dupin ein blaues Kleid. Aufgrund des kleinformatigen Stickmotivs konnte das Kleid hier leider nicht reproduziert werden.


Im Ersten Weltkrieg diente Chenonceau als Lazarett

Die zwei französischen Flaggen mit der Aufschrift hôpital militaire (z.D. Militärlazarett) stehen für eine weitere, prägende Zeit in der Chenonceau-Geschichte. Nach dem Tod von Louise Dupin ging das Anwesen in den Besitz ihrer Neffen über, bevor es 1864 an Marguerite Pelouze veräußert wurde. Die Familie Pelouze gehörte zum Industriebürgertum des 19. Jahrhunderts und verfügte über beträchtlichen finanziellen Mitteln. Marguerite Pelouzes Wunsch war es, das Schloss wie zu Dianes de Poitiers Lebzeiten wieder herzustellen. Für dieses Ziel wendete sie übermäßigen Restaurierungen den größten Teil ihres Vermögens auf. Durch ihren Bruder in ein politisches Skandal verwickelt und vollkommen überschuldet musste sie Chenonceau an ihre Bank „Crédit Foncier“ abtreten. Im Jahre 1913 erwarb der Schokoladenfabrikant Henri Menier durch Zwangsversteigerung das Schloss. Gaston Menier, der neuer Besitzer nach dem Tod seines Bruders Henri, ließ während des Ersten Weltkrieges die zwei großen Galerien in ein für die damalige Zeit modernes Militärlazarett umgestalten. Mehr als 2000 Verletzte wurden in Chenonceau versorgt. Der letzte Soldat verließ das Schloss am 31. Dezember 1918. Die Familie Menier ist heute noch Besitzerin des Schlosses.

 

 

 

Zum zweiten Teil dieses Artikels klicken Sie bitte hier:  Sampler Schloss von Chenonceau – Teil 2

Auf der Chenonceau-Webseite ist eine virtuelle Besichtigung des Schlosses möglich.

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