Mustertuch Marie-Antoinette - Erster Teil

Publié le : 24.11.2017 12:03:16
Catégories : Museen und Kulturgut Rss feed

ANREGUNG ZU DIESEM SAMPLER

Der Sampler Marie-Antoinette aus der Kollektion Museen und Kulturgut

Mit zunehmender Beschäftigung mit dem Thema Versailles häuften sich auch meine Besuche im Schloss. Dabei wurde mir immer deutlicher, dass die Königin Marie-Antoinette genügend Stoff für einen eigenen Sampler bietet. Der Zufall spielte mir zu, als ich zur gleichen Zeit in einem Buchantiquariat ein Faksimile der „Gazette des atours de Marie-Antoinette“ von 1782 entdeckte. Das Buch führte die Gräfin d’Ossun, Hofdame der Königin. Darin wurden Einzelheiten zu den bestellten Kleidern mit eingeklebten Stoffmustern buchhalterisch festgehalten. Sehr bewegend! Trotz ihres tragischen Schicksals - oder vielleicht gerade deswegen - übt Marie-Antoinette (1755-1793) noch immer eine große Faszination auf die Nachwelt aus. Obwohl ihr einiges zur Last gelegt wurde, hinterließ sie in vielen Bereichen ein wundervolles Erbe. Bis zu den ersten offiziellen Zeichen einer Rehabilitierung benötigte es mehrere Jahrzehnte. Ludwig XVIII. machte den ersten Schritt, als er 1816 Marie-Antoinette exhumieren und in Saint-Denis feierlich bestatten ließ. Nach und nach wurde erkannt, welches unrechtes Leiden ihr angetan worden war, und sie wurde zum Sühneopfer der Revolution. Aus leidenschaftlicher Verehrung sammelte die Kaiserin Eugénie (1790-1864) Gegenstände aus Marie-Antoinettes Nachlass. Angesehene Schriftsteller des 19. Jahrhunderts wie Alexandre Dumas mit seinen historischen Romanen oder die Brüder Goncourt mit der ersten 1858 veröffentlichten Biographie der Königin trugen zur deren Rehabilitierung bei. Schließlich vollendete Pierre de Nolhac (1859-1936) als erster Schloss-Kurator das heutige Bild von Marie-Antoinette. Als Schriftsteller und Historiker trug er maßgeblich zur Wiederherstellung des Ansehens von Versailles in der Öffentlichkeit. Er rehabilitierte das Petit Trianon und auch die Königin, indem er ihre Porträts und ihren Geschmack der Öffentlichkeit zugänglich machte. Heute ist Marie-Antoinette zu weltweit bekanntem Mythos geworden.

Die Frage nach der Farbe des Leinens stellte sich erst gar nicht: Natürlich Rosa! Rosa ist sehr feminin und hebt die Pastelltönen hervor, die Marie-Antoinette ganz besonders mochte. Rosa war in ihren jungen Jahren auch eine ihrer Lieblingsfarben, bevor sie Grün und Blau den Vorzug gab.

Ob nun Wandbehänge oder elegante Garde-Robe – es bestand kein Mangel an Material, um einen fast ausschließlich den Textilien gewidmeten Sampler zu kreieren.

DER SAMPLERTITEL

Der Titel Marie-Antoinette in Kreuzstich - Kollektion Museen und Kulturgut

Blumen verzierte Kapitalbuchstaben drängten sich regelrecht auf. Die weiteren Buchstaben des Namens sollten relativ schlicht sein. Erstens sollten sie gut lesbar sein und zweitens von der Rosenbordüre nicht ablenken.


DAS PORTRÄT DER KÖNIGIN

Marie-Antoinettes Porträt von Mme Vigée-Lebrun in Kreuzstich Das in „Petit Trianon“ ausgestellte Gemälde “Marie-Antoinette à la rose“ von Elisabeth Vigée Le Brun ist das allgemein bekannteste Porträt der Königin. Darauf trägt sie ein blaues Satinkleid „à la française“ mit einem gestreiften Band. Das Dekolleté und die Ärmel sind mit Rüschen aus feiner Spitze besetzt, der imposante Hut mit Federn geschmückt. Es ist alles andere als einfach, die Feinheit eines solchen Gemäldes mit so vielen Nuancen in Kreuzstich wiederzugeben. Als offizielle Malerin der Königin fertigte Elisabeth Vigée Le Brun rund 20 Gemälde von Marie-Antoinette. Von ihrem Modell schrieb sie: „…ihre Haut war so durchsichtig, dass sie keinen Schatten warf, weshalb sie nicht so zu zeichnen war, wie ich es vermochte. Mir fehlten die Farben, um diese Frische, diese so feinen und zarten Nuancen, die nur dieser charmanten Figur eigen waren, die ich bei keiner anderen Person sonst angetroffen habe, zu malen.“



DAS MONOGRAMM DER KÖNIGIN

Das Monogramm der Königin Marie-Antoinette


Die miteinander verwobenen Buchstaben « M » und « A » bilden das Monogramm der Königin, das in „Petit Trianon“ in unterschiedlichen Ausführungen fast allgegenwärtig ist, wie z.B. auf dem schmiedeeisernen Treppengeländer, den Holzvertäfelungen in ihrem Boudoir oder in den holzgeschnitzten Verzierungen des Kleinen Theaters.



Marie-Antoinettes Garderobe


Unter Marie-Antoinette und dem Einfluss ihrer Putzmacherin Rose Bertin vollzieht sich ein erstaunlicher Modewandel: Kleider werden einfacher und raffinierter zugleich. Reiche, schwere, in der Herstellung aufwendige Stoffe weichen jetzt zugunsten wesentlich einfacherer, sogar schlichter Baumwollstoffe. Von nun an wird Luxus am Schnitt, an der Konfektion, der Vielfalt der Accessoires und der Möglichkeit, sie schnell zu erneuern, sichtbar. Ein neuer Beruf entsteht: die „Marchande de mode“. Von dieser Modistin wird, in Zusammenarbeit mit den Schneiderinnen, viel Kreativität verlangt, um „Frisuren, Kleider und Unterröcke zu stecken und zu schmücken, d.h. um darauf dem Tagesgeschmack angepasste Verschönerungen zu nähen oder anzurichten, die feine Damen und sie selbst jeden Tag auf Neue erfinden.“ (aus F.-A- Garsault – Die Schneiderkunst 1769). Rose Bertin verfügte über eine besonders hoch ausgeprägte und außergewöhnliche Kreativität, genauso wie über einen bodenständigen Geschäftssinn. 1770 eröffnete sie ein Modegeschäft („Le Grand Mogol“) in der Rue du Faubourg Saint-Honoré. Vier Jahre später wurde sie bei Hof eingeführt. Es war die Geburtsstunde der Haute-Couture.

Die rosa Stoffe aus Marie-Antoinettes Garderobe

 

Die zu stickenden Motive aus der königlichen Garderobe sind Stoffmustern aus einem Faksimile der „Gazette des atours de Marie-Antoinette“ von 1782 nachempfunden. Darin hat Geneviève de Gramont, Gräfin von Ossun und Marie-Antoinettes Garderobe-Hofmeisterin über die von der Königin bestellten und getragenen Kleider mit Datum, Preis und eingeklebtem Stoffmuster genauestens Buch geführt. Beim Durchblättern dieses hochinteressanten und bewegenden Dokuments fällt die überwiegende Mehrzahl von Pastelltönen auf: Rosa, Blau, Immergrün, Aquamarin sind stark repräsentiert. Es wird berichtet, dass die Königin neue Farbnuancen wie z.B. „Haar der Königin“ nach dem aschblonden Farbton ihres Haars inspirierte. Ludwig. XVI selbst hätte die blau-violette Farbe eines Kleids seiner Gemahlin als „flohfarben“ bezeichnet.

Die blauen Stoffe aus Marie-Antoinettes Garderobe

 

Hier sollen die gestickten Motive wie ein Stoffmusterkatalog der königlichen Kleider aussehen. Um diese Wirkung zu erzielen, werden manche Muster unmittelbar auf das Hintergrundleinen gestickt. Andere werden auf ein andersfarbiges Leinen gestickt und auf das Hintergrundleinen aufgenäht. Weiter werden mit einer Zackenschere ausgeschnitte Leinenvierecke auf den Sampler positioniert und anschließend die kleine Motive durch beide Lagen gestickt. Die Muster werden von den Kreuzstichen auf dem Sampler fixiert. Manche Muster überlappen sich. Alle nötigen Einzelheiten dazu finden Sie auf der Vorlagenrückseite.

Die lila Stoffe aus Marie-Antoinettes Garedrobe


SPITZEN UND BÄNDER

Spitzen und Bänder auf den Kleidern der Königin Spitze galt zur damaligen Zeit als Luxusprodukt. Ausschließlich von Hand gefertigt war sie nicht allein dem weiblichen Kostüm vorbehalten. An der Vielfalt und Qualität der Spitzenverzierung eines Kleidungsstücks konnte das Vermögen seines Besitzers abgelesen werden, ähnlich wie es im Übrigen auch für Schuhschnallen galt. Allerdings macht Not bekanntlich erfinderisch: Spitzenrüschen an Brust, Ärmel oder Kragen konnten entfernt und an andere Kleider angesetzt werden.

Gleiches gilt für die Bänder, damals meistens aus Seide. Ein wunderschönes Beispiel ist das breite Band auf dem Kleid "à la française", das Marie-Antoinette auf dem Porträt von Elisabeth Vigée Le Brun trägt (siehe oben).

Zur Fortsetzung: Sampler Marie-Antoinette - Teil 2

Mehr zum Trianon erfahren Sie hier: Das Kleine Trianon auf der offiziellen Schlosswebseite


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