Kleine Geschichte der Nähnadeln

- Kategorie : Mode , Sammler-Kurzwaren

 

Bis in die 80er Jahre des 19. Jahrhunderts waren die Produktionszentren für Nähnadeln Aachen in Deutschland und vor allem Redditch in Großbritannien. Lange wurde sogar die südwestlich von Birmingham gelegene Stadt Redditch als die Welthauptstadt der Nähnadeln betrachtet. In den Jahren 1870 wurde die dort produzierte Menge auf 3,5 Milliarden Stück geschätzt.

 

Carnets d'aiguilles anciennes


Anhand der noch vorhandenen Verpackungen kann man feststellen, dass die große Mehrheit der in Frankreich verkauften Nähnadeln aus Großbritannien stammte. Manche Verpackungen stammen aus England, andere geben an, dass es sich um englische Ware handelt, die in Frankreich verpackt wurde.

Carnets d'aiguilles anglaises

Diese alten Nadelheftchen wurden auf englischem Boden erworben.
Darunter zwei damals besonders berühmte Namen: Kirby Beard – in Frankreich sehr verbreitet – und Flora Macdonald. Letzterer war in England sehr beliebt, blieb aber außerhalb der Landesgrenzen unbekannt.

 

Vom Wille getrieben, der englischen Dominanz etwas entgegenzusetzen, führte Benjamin Bohin 1868 einige kleine Werkstätte zusammen. Bis dahin hatte er einen kleinen Schnickschnack-Laden in Saint-Sulpice-sur-Risle/Normandie betrieben.
Bei der Weltausstellung 1889 war er mit seiner Firma Bohin Fils der einzige französische Vertreter unter den Nadelnherstellern.

 

Tableau des fabrications Bohin

 

Die Werbekampagne der Firma verkündete laut und deutlich, dass es sich bei ihren Produkten wohl um in Frankreich hergestellten Nadeln handelte, und protestierte gleichzeitig gegen Praktiken anderer, die unter französischen Namen eine ausländische Produktion auf den Markt brachten.

 

Echantillons de la production d'aiguilles Bohin

 

Neben der Firma Bohin gab es noch in den 80er Jahren des 19. Jahrhunderts kleine Hersteller um die Stadt L’Aigle im Departement Orne (Normandie).
Allerdings hatte die englische Produktion so einen guten Ruf, dass einige ihre Ware unter englischen Namen verkauften. Es dauerte noch mindestens 20 Jahre, bis sie es wagten, französisch klingende Labels zu vermarkten. 

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