Die Produktion in der Oberkampf-Manufaktur in Jouy

Die Produktion in der Oberkampf-Manufaktur in Jouy

- Kategorie : Museen & Kulturgut

Bedauerlicherweise ist « Toile de Jouy » zu Sammelbegriff
für Einrichtungsstoffe mit einfarbigen figuralen Motiven geworden.
Im ursprünglichen Sinne als "in Jouy hergestellten Stoff" verstanden,
steht der Begriff Toile de Jouy für ein unerschöpfliches Motivreichtum.
Die Zahl der floralen oder geometrischen in Jouy entstandenen Motive wird auf mehr als 30 000 geschätzt,
während die Stoffkollektion mit Figurendarstellungen ca. 200 Motive umfasste.

Stoff mit Figurenmotiv

Die  "Travaux de la Manufacture" (Fertigungsverfahren in der Manufaktur)
ist ein in der Oberkampf-Manufaktur bedruckter Stoff mit figuralen Darstellungen, auf welchem
die verschiedenen Druckherstellungsschritte 
in einem studierten Durcheinander dargestellt sind.

Die mangelnde Kenntnis bezüglich der Vielfalt der in Jouy hergestellten Stoffe lässt sich teilweise dadurch erklären,
dass kleine Motive eher Bekleidungsstoffen vorbehalten und damit der unerbittlichen zeitlichen Abnutzung ausgeliefert waren. Inneneinrichtungsstoffe hingegen hatten dank geringerem Verschleiß eine längere Lebensdauer. Jouy war nicht die einzige Manufaktur, die Stoffe mit Figurendarstellungen produzierte. In Nantes, Angers, im Elsass, in der Normandie und der Provence, sowie in Großbritannien und Italien wurden solche Motive ebenfalls bedruckt. Die berühmtesten kamen allerdings aus der Oberkampf-Manufaktur in Jouy.

Ein Bestellbrief an die Jouy-Manufaktur

In Jouy bedruckte Mignonnettes-Stoffe

Links: Das Museum bewahrt eine wunderschöne Sammlung an Bestellschreiben, mit welchen Händler ihre Bestellungen an die Manufaktur bestätigten



Rechts: Kleine Motive, "Mignonnettes" oder Miniaturen genannt. Dabei handelt es sich um einfache geometrische Formen im verkleinerten Maßstab, die in unendlich vielen Variationen reproduziert wurden.
Die Bilder zeigen Dokumente aus dem Museum-Archiv.

 

 

Weiteres

Ein dauerhafter Erfolg wurde den Stoffen mit Namen "Bonnes Herbes" (z.D. Gute Kräuter)  zuteil.
 
Die botanischen oder stilisierten Blumenmotive wurden auf dunklem Hintergrund mittels Holzplatten bedruckt.
Aufgrund des dunklen Farbtons - Schwarz, Braun oder Bronze - sprach man von Schornsteinfeger-Hintergrund. 
Motive mit Blumen und buschigem Laub wurden nicht, wie häufig angenommen,
ausschließlich in der Provence produziert. 
Im Manufaktur-Archiv finden sich Belege für zahlreiche Lieferungen solcher Stoffe in den Süden,
u.a. nach Beaucaire, damaligem bedeutendem Handelsplatz in der Provence.
 

In Jouy bedruckter Indienne-Stoff

 

 

Weitere Die Oberkampf-Manufaktur produzierte auch Indiennes-Stoffe. So nannte man im 17. Jahrhundert Stoffe aus Wolle, Seide oder Baumwolle, mit bedrucktem oder bemaltem Dekor im Gegensatz zu üblichen Stoffen, die mit farbigen Garnen gewebt wurden. Die aus Indien, Persien oder China importierten farbenfrohen Stoffe erfreuten sich in Europa sowohl für Bekleidung als auch für Inneneinrichtung großer Beliebtheit. Um die nationale Textilindustrie für Seide, Wolle, Leinen und Hanf zu schützen, wurden zahlreiche Einfuhr- und Produktionsverbote von Baumwollstoffen erlassen. Dies verhinderte jedoch nicht die Entstehung hunderter Manufakturen, um die begehrten bunten Baumwollstoffe nachzuahmen. 

Im 18. Jahrhundert bezeichnet man mit Indiennes ausschließlich bedruckte Baumwollstoffe. Mit Indiennage ist der Druckvorgang und mit Indienneurs die Hersteller solcher Stoffe gemeint.

Sämtliche Kreuzstichvorlagen mit Jouy-Motiven

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