Das Toile-de-Jouy-Museum - Die Oberkampf-Manufaktur

Veröffentlicht am: 18.12.2014 09:04:52
Kategorien: Museen und Kulturgut Rss feed


Das heutige Toile-de-Jouy-Museum befindet sich in unmittelbarer Nähe der Stelle, wo einst die von Christophe Philippe Oberkampf gegründete Manufaktur stand.
Das Museum erzählt nicht nur die Geschichte der Oberkampf-Manufaktur sondern berichtet auch über die Entwicklung der Indienne-Herstellung in Frankreich, die unterschiedlichen Herstellungsverfahren und die Arbeit anderer Manufakturen.


Die Geschichte der bedruckten Stoffe allgemein und der Indienne-Stoffe insbesondere führt uns ins ausgehende
16. Jahrhundert zurück, zur Gründungszeit der verschiedenen Indien-Handelskompanien in Europa.
1664 wurde die französische Ostindienkompanie von Colbert gegründet. Mit dem wachsenden Fortschritt der Seefahrt stieg auch der Handel mit Indien auf beträchtlicher Weise.

So überfluteten die Stoffe aus Indien die europäischen Märkte und erlebten einen überwältigenden Erfolg.
In den meisten Fällen regt Erfolg bekanntlich zur Nachahmung an. So auch in diesem Fall: Zahlreiche Manufakturen schossen wie Pilze aus dem Boden. Meistens standen dahinter Tapeten- oder Spielkartenhersteller, die Erfahrung im Bereich der Drucktechnik mittels Holzblöcken hatten. 

Kalamkari Indes vers 1800




Kalamkari in Indien um ca.1800 für den persischen Markt hergestellt.
Kalamkari ist ein altes traditionelles Handwerk,
bei welchem Stoffe mithilfe einer Bambusfeder (Kalam)bemalt werden.
Dabei wird die Federspitze zur Regulierung der Farbabgabe
mit Haaren oder Stoff umgewickelt.


Infolge des massiven Imports verspürten die Tuchmacher aus der Normandie und die Seidenhersteller aus Lyon erhebliche Geldeinbuße und liefen Sturm.
Um ihr Überleben besorgt verlangten sie einen rigorosen Protektionismus.
Am 26. Oktober 1686 wurden auf ihr Drängen hin die Einfuhr und der Druck der so schönen und fröhlichen Baumwollstoffe durch Erlass des Staatsrates verboten. Das Gesetz und die Wünsche der Bevölkerung standen damals gegeneinander in völligem Widerspruch. Es bedurfte nicht weniger als 79 Erlasse und königlicher Dekrete, um das bestehende Verbot zu verschärfen, bis hin zur Untersagung des Tragens und der Verwendung von Indienne-Stoffen. Der Streit endete 1759 mit der Aufhebung des Verbots.


Mehr als 70 Jahre Verbot und die Aufhebung des Edikts von Nantes (1685), die französische Protestanten in die Flucht trieb, brachten das Königreich um seine qualifizierten Handwerker mit einer weitreichenden Folge:
Die Sachkenntnisse und Kompetenzen im Bereich des Stoffdrucks waren verloren. Den Unternehmern blieb nichts anderes übrig, als die zur Zeit des Verbots in die Schweiz oder nach Deutschland ausgewanderten "indienneurs" zurückzuholen.


Hier betritt der Gründer der Jouy-Manufaktur die Szene. Christophe Philippe Oberkampf stammt aus einer lutherischen deutschen Familie. Sein Vater war als Färber und Kattundrucker mit der Familie bereits in die Schweiz gezogen. Dort ging Christophe als Drucker und Zeichner nach Basel in die Lehre, bevor er 1755 für zwei Jahre zu „Koechlin Dollfus et Cie“ nach Mülhausen kam. Zu der Zeit war Mülhausen als unabhängige Republik Mitglied der Eidgenossenschaft und die Firma „Koechlin Dollfus et Cie“ - später Dollfus Mieg et Cie (DMC) – eine bedeutende und bekannte Indiennes-Manufaktur.

Christophe Oberkampf

1758 bekommt er den Besuch des reformierten Pariser Bankiers Jean Cottin und nimmt sofort dessen Stellenangebot als Graveur und Kolorist an. Sein jüngerer Bruder Friedrich folgt ihm kurze Zeit später und arbeitet ebenfalls als Graveur in einer anderen Pariser Werkstatt. Über Friedrich lernt Christophe Philippe einen gewissen Tavannes kennen, der ihm die Leitung seiner kleinen Manufaktur im Viertel "Les Gobelins" anvertraut. 1759 zieht die Manufaktur nach Jouy-en-Josas um, am Ufer des kleinen Flusses Bièvre, wo das Wasser rein ist und das Land in Überfluss. Die Lage ist aus einem anderen Grund nicht unwichtig: Versailles und damit der französische Hof sind in unmittelbarer Nähe.
Nach zahlreichen Anfangsschwierigkeiten kommt es 1764 zu der ersten Vergrößerung: Auf einer großen Wiesenfläche am Fluss wird ein 47 Meter langes Gebäude errichtet. Weitere werden folgen. 1770, nach mehr als 10 Jahren mit nachgewiesenem Wohnsitz in Frankreich, erhalten Oberkampf und sein Bruder die französische Staatsbürgerschaft. 1783 wird die Firma "Königliche Manufaktur".

1787 erhebt Ludwig der XVI. den Fabrikanten in den Adelsstand. Seine Devise lautet „Recte et vigilanter“ z. D. Aufrichtigkeit und Wachsamkeit. 1789 zahlt Christophe Philippe Oberkampf seinen Teilhaber aus und wird so alleiniger Besitzer der Manufaktur. Bis 1792 sind die Gewinne erheblich. Die Manufaktur wird sogar nach der königlichen Glasmanufaktur zum zweiten Unternehmen Frankreichs. 


Oberkampf war ein loyaler und gerechter Arbeitgeber, der dem Ort Wohlstand brachte. So konnte er mit seiner Manufaktur die Revolution überstehen. Er wurde sogar vom Wohlfahrtsausschuss (Comité de Salut public) – das Exekutivorgan zur Zeit der Revolution – dazu aufgefordert, seine Tätigkeit fortzusetzen, da sie als nützlich für die Republik anerkannt wurde. Zwei Jahre nach der Gründung des Kaiserreichs erhält der Fabrikant auf der Industrie-Ausstellung in Paris eine Goldmedaille. Am 20. Juni desselben Jahres wird ihm von Napoleon I. bei einem seiner Besuche in Jouy das Kreuz der Ehrenlegion verliehen. Allerdings macht sich die allmähliche Einführung der kontinentalen Blockadepolitik langsam bemerkbar: Die Materialversorgung wird immer schwieriger und der Absatz nimmt ab.
1815 besetzen die preußisch-englische Koalitionstruppen die Stadt Jouy-en-Josas. Aus Angst vor Plünderung bleibt die Manufaktur geschlossen. Oberkampf selbst ist entsetzt, von Truppen besetzt zu werden, die seine Muttersprache sprechen. Er stirbt während der Besatzung am 6. Oktober desselben Jahres im Alter von 77 Jahren.

Le chef de pièce signature de la manufacture

Die Kartusche (chef de pièce) der Manufaktur Oberkampf: Die Inschrift mit dem Namen der herstellenden Manufaktur am Kopf und Ende jeder Stoffbahn war Pflicht.


Nachfolger wird sein Sohn Emile. Die Manufaktur heißt zunächst "Oberkampf les héritiers" (Oberkampf die Erben), dann "Oberkampf et Widmer aîné", als Emile die Leitung der Firma mit seinem Vetter Samuel Widmer teilt. Nach Samuels Selbstmord geht Emile eine Partnerschaft mit Juste Barbet ein, bevor er ihm 1822 aus gesundheitlichen Gründen die Firma überlässt.
Trotz allen Bemühungen kann Barbet, der selbst aus einer Indiennes-Hersteller-Familie aus Rouen stammt, die Manufaktur nicht mehr retten. Sie wird 1844 endgültig geschlossen und die Gebäude nach und nach abgebaut. Heute besteht nur noch das Haus Pont de Pierre (die heutige Musikschule), das die Brüder Oberkampf im Frühjahr 1760 kurz nach ihrer Ankunft in Jouy für 9 Jahre gemietet hatten.

La Manufacture de Jouy

Die Lithographie zeigt die Jouy-Manufaktur zu Anfang des 19. Jahrhunderts.
Von 1790 bis 1805 beschäftige die Manufaktur bis zu 1000 Mitarbeiter.
Das leitende Personal bestand aus ca.15 Personen.
Künstler, Zeichner, Graveure, Koloristen, Färber gehörten zur Elite.  


Musée de la Toile de Jouy - 54, rue Charles de Gaulle - 78350 Jouy-en-Josas

Tél : 01 39 56 48 64 - www.museedelatoiledejouy.fr

Ouvert du mardi au dimanche de 11 h à 18 h.

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Alle Kommentare sehen (2)

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