Stickgarne 

Aufgrund von Unternehmenszusammenschlüssen sind im Laufe des XX. Jahrhunderts zahlreiche Näh- und Stickgarnhersteller vom Markt verschwunden. Manche französische Marken sind nur noch für Sammler alter Kurzwaren ein Begriff: Ferdinand Suzor, Garne Louis Viarmé, Maurice Frings. Diese drei wurden von dem Unternehmen Cartier-Bresson übernommen, das wiederum 1930 mit Thiriez Vater & Sohn fusionierte. Das zusammengelegte Unternehmen wurde in den 60er Jahren von DMC aufgekauft. In einem solchen Kontext gestaltete sich die Markteinführung eines neuen Sticktwists im XXI. Jahrhundert als eine wahre Herausforderung.

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Stickgarn Retors du Nord

Die Suche nach einem Namen für unser 2009 kreiertes Stickgarn war delikat. Der Begriff sollte das Produkt gut widerspiegeln und dabei nicht zu lang oder gar kompliziert sein. Da der Name „mouliné“ einfach zu sehr mit DMC in Verbindung gebracht wird, habe ich es von vornherein ausgeschlossen und dafür - wie meistens in solchen Fällen - in meiner Sammlung alten Kurzwarenzubehörs recherchiert. Heraus kam das Wort „Retors“, Synonym von „Mouliné“. Da unser Stickgarn in Nordfrankreich hergestellt wird, drängte sich der wohlklingende Name „Retors du Nord“ wie von alleine auf. Nach nur wenigen Jahren findet unser Garn mehr und mehr Zustimmung und sein Name wird von den Stickerinnen angenommen, als hätte es ihn immer gegeben.

Stick- und Stopfgarn Laine Saint-Pierre

Ursprünglich stammt die berühmte Stopfwolle „Laine Saint-Pierre“ aus der Stadt Lyon. 1971 wurde sie von der Firma Vrau aus Lille aufgekauft. Mittlerweile gehört sie, wie die Marke „Fil Au Chinois“, der Firma Toulemonde, ebenso in Lille ansässig. Die Kollektion 1847, nach dem Geburtsjahr von „Fil Au Chinois“ genannt, stellt eine Produkterneuerung dar. Zum einen wurde die Verpackung von Frédérique Crestin-Billet in Anlehnung an das Original neu gestaltet. Zum anderen ergänzen neue Farbtöne das bestehende Sortiment, um z.B. auch traditionelles oder Kreuzstich-Sticken zu ermöglichen.

Stickgarn Tonkin Polyester/Lurexfaden

Das Stickgarn Tonkin wird schon lange von der Firma Toulemonde hergestellt, war aber ohne spezielle Bezeichnung nur der Industrie vorbehalten. Als ich eines Tages die Werkhallen besuchte, in denen gerade dieses Stickgarn produziert wurde, gewann ich die Überzeugung, dass es für Stickerinnen eine perfekte Ergänzung zu den üblichen Stickgarnen wäre. Allerdings musste das Garn noch einen Namen erhalten. Nach einigen Überlegungen kam ich zu dem Schluss, dass es doch recht amüsant wäre, einen Namen im Orientalismus-Stil zu finden, sozusagen als augenzwinkernde Anspielung der im XIX. Jahrhundert kreierten Marke „Fil Au Chinois“. So kam es zur Wahl des Namens „Tonkin“, entliehen dem ehemaligen französischen Protektorat, das 1884 zu Französisch-Indochina gehörte.

Sashiko Garn

Der Begriff Sashiko bedeutet kleine Stiche oder Stäbchen und bezeichnet eine japanische Sticktechnik. Ursprünglich ist Sashiko eine Reparaturtechnik der Landbevölkerung, die in erster Linie dazu diente, beschädigte und stark abgenutzte Stoffstellen zu reparieren. Sie wurde auch verwendet, um aus gebrauchten Kleidungsstücken ein neues Teil zu nähen. Heute ist Sashiko zu einer eigenständigen dekorativen Sticktechnik geworden, dessen Erkennungsmerkmal wunderbare geometrische, aus Flora und Fauna inspirierte Motive sind. Traditionell wird mit weißem Garn auf indigoblauem Stoff gearbeitet. Für die dekorative Stickerei werden heute durchaus weitere Farben verwendet. Um den Garnverbrauch so gering wie möglich zu halten, sind die Motive meistens so konzipiert, dass sie in Linien und Wiederholungen gestickt werden können.

Effektgarn Rochefort für Schmuck und Basteln

Rochefort ist ein etwas dickeres, sehr originelles Garn. Der Kern besteht aus mehreren Einzelfäden und wird von einem anderen Garn umwickelt, was ihn wie eine Kordel aussehen lässt. Genau wie unser Garn Tonkin wurde das Rochefort-Garn zuerst für die Industrie und die Haute-Couture entwickelt. Es besteht aus Dralon, einer synthetischen Chemiefaser mit wollähnlichem Charakter, die nicht fusselt und schnell trocknet. Es ist perfekt geeignet für die Herstellung von Perlenschmuck, brasilianischen Armbändern, gehäkelten Bordüren oder auch Scrapbooking und allerlei Bastelarbeiten. Den Namen Rochefort verdankt das Garn seinem kordelähnlichen Aussehen. In dem Städtchen Rochefort in der Charente Maritime befindet sich seit 1660 eine Kordelmanufaktur, die berühmte „Corderie Royale“, die „königliche Seilerei“. In dem beeindruckenden Gebäude wurden Seile bis 200 Meter Länge für die Königliche Flotte hergestellt.

Polyesterbändchen zum Sticken

Die zutreffende Bezeichnung für Bändchenstickerei lautet eigentlich Rokoko-Stickerei, benannt nach dem Architektur-Begriff für fantasievolle, spiral- und rankenförmige Ornamente. Die Stickerei mit Bändchen ist in Frankreich seit dem XVII. Jahrhundert bekannt. Damals wurde fast ausschließlich mit Seide gestickt, dem einzigen Textilmaterial, welches als Band zur Verfügung stand. Die Bänder trugen zur damaligen Zeit den Namen „Kometen“, da sie - äußerst dünn - an einen Kometenschweif erinnerten.