NÄHGARNE 

Traditionsgemäß werden Nähgarne und Textilien in Nordfrankreich hergestellt.
Unter den zahlreichen berühmten Labels wäre das "Fil Au Chinois" ohne den beharrlichen Willen zweier Industrieller aus dem Norden gänzlich vom Markt verschwunden.
Es waren Olivier und Bruno Toulemonde, die im Jahre 2007 diesen Markennamen der Beinahe-Vergessenheit entreißen konnten.
Mit der kompetenten Mithilfe von Frédérique Crestin-Billet, die das Verpackungsdesign neu gestaltete und nach und nach neue Produkte entwickelte, erhielt das "Fil Au Chinois" seinen ehemaligen Glanz wieder zurück.

Der Name des Garns stammt aus dem 19. Jahrhundert und rührt aus der Zeit, als der Orientalismus in Frankreich stark in Mode war.

Die altklingende Formulierung "Au Chinois" bedeutet lediglich "mit dem Bild eines Chinesen".

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Garnauswahl für Bastelbedarf

Unser Sortiment an Nähgarnen Made in France ist einzigartig: Leinenzwirn, Baumwollgarn, metallisiertes, elastisches und Transparentgarn, Polycotton, und vieles mehr. Weil es nicht immer einfach ist, für ein bestimmtes Projekt das passende Garn zu finden, haben wir in dieser Rubrik unterschiedliche Garne für den Bastelbedarf zusammengetragen. Die getroffene Auswahl ist vielleicht ein Anstoß für neue Ideen.

Klassische Baumwolle

Wie wird die Stärke eines Garns ermittelt?
Diese Frage beschäftigt uns fast täglich.
Das Thema ist nicht einfach, zumal die Methode stark von der zu bemessenen Materie abhängt.

Prinzipiell wird in Frankreich seit 1942 als Basis für Nummerierung von Baumwollgarn die metrische Nummer (NM) benutzt: Ein 1000 Meter langer Faden mit einem konstanten Gewicht von 1000 Gramm.
So entspricht die Nr. 1 einem Garn, bei welchem 1000 Meter 1000 Gramm wiegen.
Bei einem Garn Nr. 40 wiegen 40 000 Meter 1000 Gramm.
Aus historischen Gründen wendet bedauerlicherweise nicht jeder Hersteller diese Regel an.
Mehr dazu im Tagebuch von Madame Sajou.

Universal-Nähgarn Polyester

Unser Universal-Nähgarn besteht aus der Kunstfaser Polyester.
Dieses synthetisch hergestellte Material wurde 1941 von John Rex Whinfield und James Tennant, zwei englischen Chemikern, patentiert, und erlangte ab 1946 weltweite Bedeutung.
In jedem Land wurden eigene Polyester-Versionen unter verschiedenen Begriffen entwickelt: Dacron in den USA, Tergal in Frankreich, Terylene in Großbritannien, Diolen in Deutschland und Terital in Italien.

Bauschgarn - Overlockgarn aus Polyester

Bauschgarn ist ein texturiertes Polyestergarn, dehnbar, widerstandsfähig und voluminös zugleich. Es wird für das Nähen von weichen Stoffen wie Jersey, Lycra und aller Art Strickwaren verwendet und auch Overlockgarn genannt.
Das weiche Garn ist für Badebekleidung, Wäsche, Unterwäsche, Mieder und waschbare Baby-Windel besonders gut geeignet.
Vorsicht beim Bügeln: Dieses Garn könnte schmelzen. Benutzen Sie ein Bügeltuch.

Handquiltgarn gewachst

Unser Handquiltgarn "Fil à Patchwork" von Fil Au Chinois ist keine Baumwoll-Polyester Mischung, sondern ein gewachstes Garn mit Polyesterkern und Baumwollummantelung, eigens für Patchwork entwickelt.
Patchwork hat sich in unseren Tagen zu einer vollständigen Kunstgattung mit entsprechenden Normen und Regeln entwickelt.

Herauszuheben ist, dass es sich bei Patchwork ursprünglich um das Ergebnis sparsamen Hauswirtschaftens handelte: Die Wiederverwertung eines jeden kleinen Reststückchens Stoff, um daraus z.B. warme Bettdecken oder isolierende Wandbehänge herzustellen.

Im Großbritannien des 19. Jahrhunderts erlebte diese uralte Praxis einen besonderen Aufschwung.

Die großen Migrationswellen in die USA halfen der englischen Tradition dann schnell Fuß zu fassen, in einem wenig industrialisierten Land, wo jeder gefertigte Werkstoff äußerst wertvoll war.
Nach dem 2. Weltkrieg kehrte das Patchwork schließlich aus den USA nach Europa zurück.

Applikationsgarn gewachst

Das Garn dieser Rubrik hat besondere Eigenschaften: Es ist dünn und reißfest zugleich.
Früher wurde es in der Handschuhkonfektion und -reparatur verwendet. Aus dieser Zeit stammt die französische Bezeichnung "Fil à Gant" - z. Dt. Handschuhgarn.
Damals war es auf kleinen Holzspulen zu kaufen. Diese kleinen Holzspulen haben wir nachproduziert und bieten sie in der Kategorie Holzspulen klein an. 
Die Bestimmung des Handschuhgarns hat sich geändert, der französische Name aber ist geblieben.

Heutzutage wird das gewachste Garn Nr. 120 aus reiner Baumwolle hauptsächlich für Patchwork und Applikationsarbeiten von Hand verwendet. 
Mehr zur Garnnummerierung in dem Tagebuch von Madame Sajou.

Metallisiertes Effektgarn

Unser metallisiertes Effektgarn besteht aus einem dünnen, ummantelten Faden metallisierten Polyestergarns mit aneinander liegenden Windungen.
Bei metallisiertem Polyester handelt es sich um ein Metallimitat aus Kunststoff.
Die Windungen sind die Drehungen, die das ummantelte Garn bilden.
Sie sind so eng ausgeführt, dass kein Leerraum dazwischen besteht.
Dadurch behält das Garn Stabilität und Spannung, franst nicht aus, selbst auf der Nähmaschine nicht.

Multicolor- und Verlaufsgarn

Die außergewöhnlichen Farbverläufe oder -zusammensetzungen dieses Effektgarns machen es für  Patchwork besonders interessant. 
Das 100% Polyester-Garn besteht aus durchgehenden Fasern - sogenannten Filamenten - und ist äußerst glänzend.
Ob natürlich, künstlich oder synthetisch - Fasern können entweder aus langen, endlosen Fäden oder aus kurzen Stücken bestehen.
Erstere werden Filamente (Endlosgarn), letztere Stapelfasern genannt.
Ganz im Gegensatz zur Seide zählen Fasern natürlicher Herkunft zu den Stapelfasern und müssen mehrere Verarbeitungsprozesse durchlaufen, bevor sie zum Faden werden.
Das synthetisch-chemische Material Polyester hingegen wird als Filament behandelt.
Zuerst wird aus dem Rohmaterial eine zähe Flüssigkeit (Spinnlösung) gewonnen, die anschließend durch feine Düsen (Spinndüsen) gepresst wird.
Das Endergebnis nach dem Erkalten ist ein endloser Faden.

Rayongarn

Die frühere Bezeichnung für Rayon war "künstliche Seide".
Auf Bestreben der Seiden-Produzenten wurde per Gesetz vom 8. Juli 1934 der Name geändert, da man Nachteile durch das Verwechseln der Begriffe befürchtete.
In der Tat ähneln sich künstliche und natürliche Seide in Optik und Haptik sehr.
Der industrielle Begriff für Rayon ist Viskose-Filamentgarn.
Hierbei handelt es sich um eine Cellulose-Regeneratfaser, d.h. eine künstliche Faser, die aus natürlich vorkommenden, nachwachsenden Rohstoffen über chemische Prozesse hergestellt wird.

Es ist also keine synthetische Faser und somit kein Erdölderivat.
Die Garndrehung von Rayon ist niedrig.
Das äußerst glänzende Garn hat baumwollähnliche Eigenschaften (z.B. eine geringe Elastizität).
Bei der Färbung werden die gleichen Farbstoffe wie für Baumwolle benutzt.

Seidengarn

Das Seiden-Perlgarn ist reißfest und glänzend.
Ursprünglich für Knopflöcher und Ziernähte auf Stoff oder Leder vorgesehen, eignet sich das Garn auch zum Sticken (Kreuzstich, traditionelle Stickerei), Klöppeln und zum Posamenten-Arbeiten.
Das Seidengarn wurde früher häufig bei der Gobelin-Stickerei in Petit-Point als Kontrast zu Wolle verwendet, um Details wie z.B. Gesichter oder Hände, die Mitte einiger Blumen oder Tieraugen zu gestalten.

Zierstichgarn aus Polyester

Cordonnet-Zierstichgarn ist ein dickes, gewachstes, synthetisches Nähgarn.
Für Ziernähte, zum Annähen von Knöpfen, bei der Bearbeitung von sehr dicken Stoffen und für die Herstellung von Modeschmuck ist es perfekt geeignet.
Das Wort "cordonnet" ist die Verkleinerungsform von "cordon" (z. Dt. Kordel oder Schnur)  bzw. "corde" (Seil) und deutet darauf hin, dass es sich um dickeres Garn handelt.
Das Zierstichgarn aus 100% Polyester ist fäulnisbeständig und kann für das Nähen oder Reparieren von Planen und Außenstoffen verwendet werden.
Unser "cordonnet" ist auch auf Spulen mit 750 m Lauflänge erhältlich.
Diese professionelle Ausführung nennt Sajou Schuhmachegarn.

Leinenzwirn gewachst

Der Leinenzwirn ist das historische Produkt der Marke „Fil Au Chinois“. Als Philibert Vrau 1847 seine Firma gründete, gab es noch keine Nähmaschinen und der Leinenzwirn machte den wesentlichen Teil der Verkäufe aus. Diese Tatsache ist der Grund für die vielfältigen Ausführungen mit unterschiedlicher Lauflänge in Form von Spulen, Kapseln, Sternkarten usw. Bei der Markenübernahme im Jahr 2007 durch die Firma Toulemonde wurden die verschiedenen Präsentationen als historisches Kulturgut beibehalten.

Transparentgarn aus Polyamid

Unsere unsichtbaren Nähgarne können problemlos auf der Nähmaschine eingesetzt werden. Allerdings bestehen sie aus Polyamid, einem wärmeempfindlichen Material, weshalb wir größte Vorsicht beim Bügeln empfehlen. Stellen Sie das Bügeleisen auf „Synthetik“ und verweilen Sie nicht auf den Nähten.

Reihgarn

Reihgarn wird beim provisorischen Zusammennähen von Stoffen zum Heften verwendet. Wegen der großen Farbvielfalt ist immer die Farbe wählbar, die auf dem zu bearbeitenden Stoff gut zu erkennen ist. Aus lose versponnener Baumwolle ist Reihgarn reißfähig, um problemlos aufgetrennt werden zu können. Deswegen darf es nur zum Heften verwendet werden.

Lin câblé für Lederarbeiten

Der gewachste Zwirn von Fil Au Chinois, „Lin câblé“ genannt, ist ein Luxusgarn für hochwertige Lederwaren. Seine Besonderheit besteht in dem Wort „câblé“. Nach einem 1.Zwirnen werden die Fäden nochmals zusammengefügt und erneut gezwirnt. „Câblé“ bedeutet sozusagen „doppelt gezwirnt“. Dieses Verfahren erhöht nicht nur die Reißfestigkeit, sondern macht das Garn auch „runder“ und dementsprechend besonders geeignet für Lederarbeiten.

Das „Lin câblé“ bieten wir in 5 Stärken an: Nr. 332 (Ø 0,77 mm), Nr. 432 (Ø 0,63 mm), Nr. 532 (Ø 0,57 mm), Nr. 632 (Ø 0,51 mm) und Nr. 832 (Ø 0,43 mm).

Speziell Lederwaren

Bei dem Lederzwirn handelt es sich um einen 3-fach gezwirnten, baumwollummantelten Polyester Kernfaden. Er wurde in einem Stärkebad mit Bienenwachszusatz getränkt, anschließend mit Rosshaar gebürstet und schließlich gestreckt. Das Ergebnis dieser Vorgänge ist ein glatter, reißfester Zwirn mit hoher Steifigkeit und Stabilität.

Schustergarn

Unser Zierstich- und Schuhmachergarn sind identisch und werden lediglich in der Präsentation unterschiedlich angeboten. Letzteres erhalten Sie in einer professionellen Ausführung.

Hierbei handelt es sich um ein Polyestergarn mit hoher Nassfestigkeit, weswegen es für Lederarbeiten im Schuhmacher- und Sattlerbereich perfekt geeignet ist. Auch bei der Modeschmuckherstellung hat es sich bewährt. Im Gegensatz zu Baumwoll- oder sogar normalem Leinenzwirn ist es reißfest und schnelltrocknend. Für Armbänder ideal!

Das Wachsen in einem Stärkebad mit Bienenwachszusatz verleiht diesem Garn hohe Reißfestigkeit und Steifigkeit, die seine Handhabung enorm erleichtern.

Farb- und Musterkarten

Zu den meisten Nähgarnen Fil Au Chinois bieten wir eine gedruckte Farbkarte an. Für die Stickgarne Retors du Nord, Tonkin und Laine Saint-Pierre ist jeweils eine Farbkarte mit echten Garnmustern lieferbar. Allerdings kommt es vor, dass diese in der Herstellung arbeitsaufwendigeren Farbkarten vorübergehend nicht verfügbar sind. Bei einigen Zwirnen für Lederarbeiten sind kleine Musterkarten mit ca. 20 cm Garn von jeder Stärke erhältlich.

Garndisplays - Fil Au Chinois

In Anlehnung an die stilvollen Geschäftsmöbel aus früheren Jahrhunderten sind unsere Displays komplett aus Holz gefertigt. Sie sind für nahezu jedes Nähgarn „Fil Au Chinois“ sowie für alle Stickgarne lieferbar.

Je nach Anzahl an Farben der jeweiligen Garnsorte besteht die Wahl zwischen verschiedenen Zusammenstellungen, beginnend mit den meistgekauften Garnen bis hin zum kompletten Farbsortiment.

Hinweis: Da sich wegen der großen „Lins-câblés“-Nachfrage gelegentlich Lieferprobleme ergeben, empfehlen wir Ihnen, uns vor dem Bestellvorgang der Displays zu kontaktieren. Sämtliche Farben sind leider nur bedingt vollständig vorrätig.

Farbige elastische Garne

Lebaufil ist eine französische Marke für Nähgarne aus Roubaix (Nordfrankreich). Im Dezember 2015 wurde sie von der Firma Toulemonde übernommen. Lebaufil ist ursprünglich auf elastische Garne und Metallgarne spezialisiert.

Die Marke Lebaufil entstand 1946. Der Name ist die Zusammenfassung des bisherigen Firmennamens: LEpoutre-WiBAUx FILs. Die 1860 gegründete Firma Lepoutre war auf das Wachsen von Baumwolle und die Herstellung von Webzwirnen spezialisiert. 1880 tritt François Lepoutre die Nachfolge seines Vaters an und wird von seiner Frau Jeanne Wibaux dabei unterstützt. Unter dem Label Lebaufil wurden neue Produkte entwickelt. Darunter befanden sich elastische Garne, die in den Fünfziger-Jahren besonders modern waren. Sie wurden unter dem Namen Lastex vermarktet.

Echtes Metallgarn Lebaufil

Die Metallgarne Lebaufil sind aus echtem Metall. Dadurch unterscheiden sie sich von den metallisierten Effektgarne Fil Au Chinois, bei welchen ein Metallimitat aus Kunststoff verarbeitet wird.

In den Farben Gold, Silber und Kupfer sind sie in drei verschiedenen Durchmessern erhältlich. In weiteren Farben werden zwei Durchmesser angeboten. Die Metallgarne eignen sich für die Schmuckherstellung und können gehäkelt werden. Neben elastischen Garnen sind Metallgarne eine der Spezialitäten der Marke Lebaufil und werden seit 1946 in Frankreich hergestellt. Im Dezember 2015 wurde das Unternehmen Lebaufil von der Firma Toulemonde übernommen, zu welcher die namhaften Marken Fil Au Chinois, Laine Saint-Pierre und Découvit gehören.

Garne für Perlen und Schaufensterdekoration

Hier bieten wir zwei Sorten von Perlengarn Lebaufil an.

Neben dem klassischen, in sechs transparenten Farben lieferbaren Garn ist das etwas elastische Monofilgarn „Cordelastic“ besonders verschleißfest. Mit ihm lassen sich Armbänder ohne Metallverschluss herstellen. Dank seiner Elastizität können die Armbänder ganz leicht an- und ausgezogen werden.

Mèche/Füllgarn und Baumwollgarn für Boutis

Das weiße oder ungebleichte Baumwollgarn Nr. 8 von Lebaufil wird bei Boutis oder Trapunto als Füllgarn verwendet, um vorgestickten Motiven durch Ausstopfen Relief und Volumen zu geben. „Mèche“, ein weiteres Füllgarn aus Acryl, wird genauso verwendet, allerdings vorzugsweise, wenn eine dickere Wattierung gewünscht wird.

Boutis, eine Reliefstickerei aus der Provence auch „Piqûre de Marseille“ genannt, wird mit zwei sehr feinen, gleichen, meist weißen Stoffen ausgeführt. Zuerst werden Motive auf den Stoff gezeichnet und mit kleinen Stichen durch beide Stofflagen genäht. Dieser Schritt wird „sertissage“ genannt. Darauf folgt das Ausstopfen oder „méchage“: Spezielles Füllgarn wird von links zwischen den genähten Linien geschoben, um den Motiven Relief zu verleihen. Es entsteht ein einzigartiges Spiel von Licht und Schatten auf der Oberfläche des Stoffs, das Hauptmerkmal von Boutis.

Bei der aus Sizilien stammenden Trapunto-Technik ist es ähnlich. Allerdings sind die Stoffe unterschiedlich und in der Regel dicker als der feine Baumwollbatist für Boutis. Der Transparenz-Effekt entfällt. Trapunto ist seit dem 14. Jahrhundert bekannt und gilt als der Vorfahre von Boutis.